Die eigene Natur



 

Ein Yogi saß am Ufer des Ganges und meditierte. Als er die Augen

 


öffnete, sah er einen Skorpion, der ins Wasser gefallen war und

 


verzweifelt um sein Leben kämpfte. Voll Erbarmen streckte der Yogi

 


seine Hand ins Wasser und legte den Skorpion ans Ufer; der aber

 


stach seinen Retter, und es schmerzte ihn sehr. Nach einer Weile, als

 


er die Augen öffnete, sah der Yogi den Skorpion, der ein zweites Mal

 


ins Wasser geglitten war und zu ertrinken drohte. Und wiederum

 


rettete er das Tier, und das Tier stach so heftig, daß der Yogi

 


aufschrie. Als sich der Vorgang ein drittes Mal wiederholte, konnte

 


sich ein Bauer, der alles vom Wegrand her beobachtet hatte, nicht

 


länger halten. Verwundert rief er: 'Meister, warum hilfst du der

 


elenden Kreatur immer wieder, wenn du als Dank nur schmerzhafte

 


Stiche erntest?' - 'Wir beide folgen doch nur unserer Natur',

 


antwortete der Yogi. "Es liegt in der Natur des Skorpions zu stechen

 


und in meiner, Barmherzigkeit zu üben."

 

 

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