Buddha und das wütende Volk

Buddha und das wütende Volk
Buddha ging einmal durch ein Dorf, und die Leute kamen und beleidigten ihn. Sie warfen ihm alle möglichen Beleidigungen an den Kopf, alle Gemeinheiten, die ihnen nur einfielen. 



Buddha stand da, lauschte schweigend, aufmerksam, und sagte dann: "Danke, dass ihr zu mir gekommen seid, doch ich bin in Eile. Ich muss weiter zum nächsten Dorf, wo die Leute schon auf mich warten. Heute kann ich euch nicht mehr Zeit widmen, doch morgen auf dem Rückweg habe ich mehr Zeit. Dann könnt ihr wieder zu mir kommen, und wenn noch etwas übrig ist, was ihr mir sagen wolltet und heute nicht geschafft habt, könnt ihr mir es sagen. Doch für heute entschuldigt mich.

"

Die Leute konnten ihren Augen und Ohren kaum trauen: Dieser Mann war absolut ungerührt geblieben, vollkommen unbeteiligt.

Einer von ihnen fragte: 

"Hast du uns nicht gehört? Wir haben dich wie sonst was beleidigt, und du hast uns nicht mal geantwortet!"



Darauf erwiderte Buddha:

"Wenn ihr eine Antwort haben wolltet, seid ihr zu spät gekommen. Ihr hättet vor zehn Jahren kommen sollen, dann hätte ich euch geantwortet. Doch seither habe ich aufgehört, mich von anderen Menschen manipulieren zu lassen.
Ich bin kein Sklave mehr, ich bin mein eigener Meister. Ich handle nur nach meinen eigenen Vorstellungen, nicht nach denen anderer. Ich handle meinen eigenen Bedürfnissen entsprechend. Ihr könnt mich nicht dazu zwingen, irgendetwas zu tun. Es ist vollkommen in Ordnung - ihr wolltet mich beleidigen, ihr habt mich beleidigt. Seid zufrieden; ihr habt eure Absicht vollkommen erfüllt. Doch soweit es mich betrifft, nehme ich eure Beleidigungen nicht an, und wenn ich sie nicht annehme, sind sie bedeutungslos.

Wenn jemand eine brennende Fackel in einen Fluss wirft, wird sie so lange brennen, bis sie den Fluss erreicht hat. In dem Augenblick, in dem sie in den Fluss fällt, erlischt das Feuer - der Fluss kühlt es ab. Ich bin zu einem Fluss geworden. Ihr könnt mir Beleidigungen zuwerfen - sie sind wie Feuer, wenn ihr sie werft, doch in dem Augenblick, in dem sie mich erreichen, wird ihr Feuer in meiner Kühle gelöscht. Sie tun nicht mehr weh.

Ihr werft Dornen - sie fallen in meine Stille und werden zu Blüten. Ich handle aus meiner eigenen inneren Natur heraus."

Geschichten aus Buddhas Zeit

 

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