Trauer um ein Störenfried


Es war einmal ein Rabbi, der vom Volk als Gottesmann verehrt wurde.
Kein Tag verging, an dem nicht viele Menschen vor seine Tür standen, um Rat baten, Heilung wollten oder auch nur den Segen des Heiligen Mannes.
Und jedes mal wenn der Rabbi sprach, hingen die Menschen an seinen Lippen und sogen jedes einzelne Wort in sich auf.

unter den Zuhörern gab es jedoch einen unangenehmen Burschen, der nicht die geringste Gelegenheit ausließ, um dem Meister zu widersprechen. Er beobachtete die die Schwächen de Rabbi und machte sich über dessen Fehler Lustig, zum großen Missvergnügen seiner Anhänger, die allmählich die Inkarnation des Teufels in ihm sahen.

Eines Tages wurde der Teufel krank und starb. Jedermann seufzte erleichtert auf. Äußerlich gewahrten sie den geziemenden Ernst, aber im Herzen waren sie froh, denn nun würden die ermutigenden Reden des Meistern nicht mehr unterbrochen und sein Auftreten nicht mehr von diesem respektlosen Ketzer kritisiert werden.

Daher waren die Menschen erstaunt, als sie sahen, dass der Meister bei der Beerdigung ehrlich trauerte. Als er von einem Schüler gefragt wurde, ob er das unabänderliche Schicksal des toten beklagte, sagte er: „ Nein, nein. Warum sollte ich um unseren Freund trauern, der nun in den Himmel ist ? Ich klage um mich selbst. Dieser Mann war mein einziger Freund. Hier bin ich von Menschen umgeben, die mich verehren. Er als Einziger forderte mich heraus. ich habe Angst, nicht mehr weiter zu wachsen, nu da er gegangen ist.“

Und bei diesen Worten brach der Meister in Tränen aus.

 

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