Die Ameise und die Schreibfeder

 


Eines Tages krabbelte eine Ameise über ein Blatt Papier, welches gerade beschrieben wurde. Dabei bemerkte sie, wie eine Schreibfeder fein säuberlich schwarze Linien zog. „Wie wundervoll“, rief die Ameise „dieses bemerkenswerte Ding führt ein eigenes Leben. Auf dieser wunderbar hellen und glatten Oberfläche zieht es seine Linien mit einer Ausdauer und Kraft, die allen Ameisen dieser Welt ebenbürtig ist. Und das, was dabei entsteht, sieht sogar aus wie Ameisen bei der Arbeit. Als würden tausende von Ameisen gemeinsam rennen!“


Als sie einer anderen Ameise von ihren Eindrücken berichtete, zeigte sich diese ebenfalls sehr interessiert und lobt die Ameise für ihre gute Bobachtungsgabe. Bald tauchte eine andere Ameise auf, und mischte sich in die Unterhaltung der beiden anderen ein.

„Ich bin durch eure Unterhaltung aufmerksam geworden, und habe den Gegenstand eurer Unterhaltung näher untersucht.“ sagte sie. „Ich habe festgestellt, dass es nicht der eigentliche Erschaffer dieses Werks ist. Ihr habt übersehen, das diese Schreibfeder zu einem anderen Ding gehört, welches sie anfasst und führt. Dieses Ding ist der eigentliche Antriebsfaktor, und ihm gebührt die Anerkennung.“ Die beiden Ameisen prüften nach, was man ihnen sagte, und so entdeckten sie die Finger.

Nach einiger Zeit der intensiver Untersuchungen kletterte eine der Ameisen einen Finger hoch und entdeckte, das er zu einer Hand gehörte. Sie erforschte dies genau und ganz nach Ameisenart, in dem sie darauf herumkrabbelten. Schließlich kehrte sie zu ihren Artgenossen zurück und erzählte von ihrer Entdeckung, dass die Finger nicht ein eigenständiges Objekt waren, sondern zu einem größeren Objekt gehörten, dass sie in Bewegung versetzte.

Daraufhin begannen die drei Ameisen eine begeisterte Forschungsreise. Sie krabbelten von der Schreibfeder auf den Finger, von dort auf die Hand und von dort aus weiter. Sie stellten fest, das die Hand teil von einem Arm war, und das es davon zwei gab, die an einem Körper befestigt waren, an dem zudem noch zwei Füße hingen, die aber nicht schrieben.

Auf diese Art entdeckten die Ameisen auf ihrer Forschungsreise den gesamten Mechanismus des Schreibens, von der Feder auf dem Papier, bis zu dem großen Gebilde, was diese über das Papier führte.

Welchen Zweck das Schreiben hatte und welche Kraft es letztendlich kontrollierte, blieb ihnen aber trotz all ihrer Untersuchungen immer ein Rätsel.

(Eine Weisheitslehre aus dem Islam, 13. Jahrhundert)

 

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